barrierefreie Lifte gegen Rollstuhlfahrer (MCPM 059)

Das neue Modewort lautet: Barrierefrei. Alles muss barrierefrei sein, damit unsere Mitmenschen in Rollstühlen ohne Einschränkung jeden Ort erreichen können. Und sollten sich einem dennoch irgendwo garstige Treppen in den Weg stellen, so wird kurzerhand ein Treppenlift installiert. Natürlich muss der Treppenlift täglich überprüft werden und – ähm, Moment. Ich muss den Treppenlift täglich kontrollieren lassen?
Wir denken an ein neu errichtetes Haus, das wegen einem Gefälle einen Treppenlift installieren musste, in dem noch kein einziger Rollstuhlfahrer lebt und der Schlüssel von der Hausverwaltung weggesperrt wurde.
Ich muss also jemanden anstellen, der dieses verdammte Ding täglich laut Gesetz und Verordnung kontrolliert, nur für die Möglichkeit, dass in diesem Haus irgendwann einmal jemand lebt, der an den Rollstuhl gebunden ist.
Schön, dass die Allgemeinheit diese Kosten tragen muss, aber dafür können Rollstuhlfahrer heutzutage selbstständiger jeden Ort erreichen. Irrtum. Bei jeder Fahrt muss laut Aufzugsfirma eine weitere Person anwesend sein.
Ich muss jemanden anstellen, der das verdammte Ding täglich kontrolliert und jemanden, der daneben steht, wenn der Rollstuhlfahrer mit dem Treppenlift über ein einzige Stufe fährt. Wer zur Hölle soll das zahlen?
Der Gesetzgeber und die Aufzugsfirmen sagen: „Keine Sorge, wir überprüfen unsere Gesetze und Verordnungen nicht so genau!“ Ich verstehe. Wenn aber etwas passiert, dann bin ich voll dran, richtig?
„Na das schon.“ Ihr zwingt also eure Bürger realitätsfremde Kosten und Umstände auf sich zu nehmen oder gegen Gesetze zu verstoßen. Nice. Doch wenigstens kümmert sich der Gesetzgeber uneingeschränkt um unsere geforderten Mitmenschen.
Alles muss barrierefrei sein. Türen und Toiletten werden teuer vergrößert, während der Platz an anderen Stellen eingespart wird, den der unbedeutende Anteil der restlichen Bevölkerung sinnvoll verwenden könnte. Platz ist zum Glück keine begrenzte Ressource auf dieser Welt.
Die Kosten spielen hierbei keine Rolle, denn zum einen werden sie ja von der Allgemeinheit und nicht von der Legislative getragen und zum anderen kümmert sich der Gesetzgeber eben uneingeschränkt um unsere Mitmenschen in Rollstühlen.
Alles muss barrierefrei sein, denn warum sollte ein Rollstuhlfahrer im Erdgeschoss leben müssen? Der Gesetzgeber sagt, auch diese Menschen haben den maximalen Luxus verdient, müssen beschützt werden und dürfen natürlich auch im neunten Stock wohnen. Wir haben uns das gründlich überlegt.
Unser geneigter Rollstuhlfahrer rollt also über den barrierefreien Gang zum barrierefreien Lift, fährt problemlos in den neunten Stock, rollt barrierefrei über den Gang in seine barrierefreie Wohnung, bis in seine barrierefreie riesengroße Toilette, mit der niemand anderer etwas anfangen kann.
Eines Tags sitzt unser, vom Gesetzgeber behüteter, Rollstuhlfahrer gemütlich auf seinem Balkon, als er plötzlich Rauch riecht und der Feueralarm losgeht. Er rollt durch seine barrierefreie Wohnung, über den barrierefreien Gang, hin zum barrierefreien Lift und drückt den Knopf, doch nichts geschieht.
Und während die Flammen an unserem Rollstuhlfahrer zu lecken beginnen und er sich lediglich für eine barriereunfreie Abfahrt über die neun Stiegen und einen damit verbundenen Genickbruch entscheiden kann, wird ihm langsam bewusst, dass der liebe Gesetzgeber ebenfalls bestimmt hat, dass bei einem Feueralarm alle Lifte automatisch in das Erdgeschoss fahren und sich dort deaktivieren müssen.

 

Nun könnte man sagen, dass der Gesetzgeber nicht jede Eventualität bedenken kann und weitere Maßnahmen übertrieben wären. Das würde ich akzeptieren, wenn die Legislative nicht sonst so maßlos übertreiben würde. Sichtwort: tägliche-Kontrolle-eines-hochmodernen-Treppenlifts!
Und bevor mich nun all Rollstuhlfahrer verfluchen: Ich finde es super, dass per Gesetz alle Mitmenschen bedacht wären. Doch die aktuellen Gesetze und Verordnungen gehören dringendst von jemandem mit Verstand und Herz überarbeitet.

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