Philosophie oder Die Wissenschaften des Streitens

An einem regnerischen Sommerabend traf mich die Erkenntnis, dass die Philosophie die Mutter aller Wissenschaften ist und da ich ja sonst nichts besseres in meinem Leben zu tun hatte, begann ich der Sache auf den Grund zu gehen und mir Philosophievorlesungen von irgendwelchen Universitäten und irgendwelchen Professoren aus dem Internet anzusehen. Unter anderem wurde mir dort mitgeteilt, dass es mich nicht klüger wirken lässt, wenn ich Sätze über vier Zeilen schreibe. Mission Failed.
Das erste, was man bei einer Philosophievorlesung lernt, ist, dass alles kontrovers ist. Da man in der Mathematik meist auf ein eindeutiges, belegbares Ergebnis kommt, eignen sich Formeln doch eher weniger als Diskussionsthema mit verschiedenen Ansichten für einen lauen Abend in einem Gasthaus mit Bier und Korn. In der Philosophie hingegen kann so gut wie alles diskutiert werden und üblicherweise hat jeder eine andere Meinung dazu. Zum Beispiel: Superlange Sätze sind total geil und ein Satz muss mindestens über fünf Zeilen gehen, wenn du ungebildete Leser und Zuhörer aussortieren möchtest!
Nun ist klar, warum die Philosophie die Mutter aller Wissenschaften ist. Am Anfang war die Materie, welche schließlich zum Wort führte und dieses unweigerlich zu Streitereien. Um sich nicht nach jedem Disput die Köpfe einschlagen zu müssen, nannte man das Ganze philosophieren. Aus den Auseinandersetzungen, ähm philosophischen Diskussionen entstanden erste Themengebiete, die erforscht werden konnten.

Wir stellen uns die Szene zwischen zwei Höhlenmenschen vor:

  • „Hey, Ugosh, warum hast du mir einen Stein auf den Zeh fallen lassen?“
  • „Das hab ich überhaupt gar nicht. Ich habe den Stein lediglich aufgehoben und wieder ausgelassen. Ich kann nichts dafür, wenn er sich, vollkommen ohne mein Zutun, auf den Fuß jenes Höhlenmitglieds zubewegt, der das gesamte Mamutfleisch draußen in der Sonne liegen hat lassen. Hier stinkt es.“
  • „Heureka, ich habe einen blauen Zeh und benötige Hilfe.“

Zack und schon waren Physik, Medizin und Kältetechnik erfunden worden.“

  • „Ich kann nichts dafür, mich hat ein Blitz am Kopf getroffen. Scheint eine höhere Macht zu sein.“

Bums und schon waren die Geisteswissenschaften und Elektrizität erfunden.

  • „Olaf, du hast mit meiner Frau geschlafen. Wie viele Backpfeifen glaubst du, werde ich dir dafür verpassen?“

Bähm! Und schon gab es die Mathematik und die Schätzung.
Ingenieure haben es gut, denn wenn sie etwas bauen und es bleibt von selbst stehen, können sie von ihrem hohen Ross über beispielsweise Physiker herziehen:

  • „Was habt ihr schon geleistet, seit Newton ein Apfel auf den Kopf gefallen ist? Ihr erfindet unnötige Theorien, die nur in sich stimmig sind.
  • „Mein Universum hat Schleifen.“
  • „Mein Universum ist flüssig.“
  • „Mein Universum ist deine Mutter!“

Aus den Streitereien der Philosophen entstanden also die Wissenschaften und es musste alles getan werden, um diese Kontroversen aufrechtzuerhalten, um den Fortbestand der Menschheit zu garantieren. Selbst als schon jeder Bauer wusste, dass die Erde eine Kugel ist, kam die katholische Kirche, behauptete das Gegenteil und verbrannte die Ketzer. Und auch heute gibt es noch Verschwörungstheoretiker, die versuchen sinnlose Wissenschaften zu generieren und deshalb behaupten, dass die Erde flach ist.

Heute sieht man vor lauter Wissenschaften die Universität nicht, weshalb wir uns überlegen wollen, wie es nun mit der Philosophie aussieht! Seit „Ich denke, also bin ich“, haben auch die keine bahnbrechenden Leistungen mehr vollbracht, also muss man sich die Frage stellen, warum ein Mensch, zwischen Himmel und Hölle, im 21. Jahrhundert auf die Idee kommt, dieses Fach zu studieren. Die können doch unmöglich alle glauben, dass jeder, von den hunderten promovierten Studenten jährlich ein berühmter Philosoph wird, eine vollkommen neue Weltansicht erfindet und damit reich wird. Sie können höchstens den Physiker gemeinsam einreden, dass das Universum in Wahrheit eine griechische Tunika ist.
Wie immer offenbart sich das eigentliche Ziel eines Studienzweiges nicht am Anfang, sondern erst, wenn es schon viel zu spät ist. Und so traf auch mich die Erkenntnis, als alles vorbei war. Nach Beendigung des Studiums bist du nicht etwa Philosoph und musst dir mühsam deine eigenen, bahnbrechenden Entdeckungen ausgrübeln. Nein! Du suchst dir einfach wahllos einige Aussagen anderer, bereits toter Philosophen zusammen, da sich diese nicht wehren können, beziehst mal eine wohlwollende und mal eine kontroverse Stellung, beharrst darauf, dass nur du richtig liegst und die anderen ohnehin keine Ahnung haben und diskutierst dies mit deinen Kollegen, bis du in die verdiente Rente gehen kannst. Hier empfiehlt es sich, ein kontroverses Buch zu schreiben, welches von gut fünfzig Leuten gekauft wird und in dem du alle anderen beschimpfst, die nicht deiner Meinung sind. Außerdem solltest du keinen Satz unter sechs Zeilen verwenden, damit nicht jeder Idiot gleich mitreden kann. Dies ist die einzig richtige Erkenntnis der aktuellen Philosophie und wer das nicht versteht oder anderer Meinung ist, soll lieber über die Bildzeitung und „The next Topmodel“ diskutieren, anstatt wirklichen Philosophen die Zeit zu stehlen.

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