Interview mit den Hateful Eight

Sekretod         Hallo liebe Kreativskeptiker. Ich bin der Sekretär vom Tod und heiße Sekretod. Willkommen im Jenseits, geschätzte Hateful Eight. Geht es euch gut?

Ruth                Wir sind gerade gestorben, also nein.

Sekretod         Bitte greifen Sie Ihrem Ende nicht vor. Ich muss für Tod einen Bericht über Ihr Ableben schreiben und Ihnen dazu einige Fragen stellen. Doch zuerst möchte ich, dass Sie sich kurz selbst vorstellen.

Ruth                Ich bin John Ruth, der Henker und war Kopfgeldjäger. Ich tötete meine Ziele nicht, sondern ließ sie hängen.

Warren            Ich bin Major Marquis Warren, ein Kriegsheld. Und, ach, weiß doch eh schon jeder. Ich wurde unehrenhaft aus der Armee entlassen und dann Kopfgeldjäger.

Daisy               Ich bin Daisy Domergue und extrem masochistisch veranlagt. Möchtest auch du mir gerne einmal aufs Maul hauen und mir meine Schneidezähne ausschlagen, so findest du mich unter der Decke baumeln.

Mannix            Chris Mannix. Ich hätte der neue Sheriff von Red Rock werden sollen. Wird wohl nichts.

Bob                 Ich bin Bob aus Mexiko.

Sekretod         Und weiter?

Bob                 Nichts weiter. Ich bin einfach nur Mexikaner. Das reichte Tarantino.

Mobray           Ich bin Oswaldo Mobray und tue so, als wäre ich der neue Henker von Red Rock. In Wahrheit bin ich jedoch in einer ganz geheimen Bande, von der noch nie jemand etwas gehört hat, obwohl uns alle kennen.

Gage               Joe Gage. Ich gehöre auch zu der Bande. Aber bei uns darf nicht jeder rein. Da musst du zuerst ganz tief und heiser sprechen und so.

Smithers          General Sanford Smithers. Ich bin ein Kriegsheld.

Gage               Kein Wunder, dass wir ihn sofort in unsere Band aufgenommen haben.

Sekretod         General Smithers, sind Sie nicht auch Kriegsverbrecher?

General           Nein. Du wirfst einem Tischler ja auch nicht vor, dass beim Hobeln einige Späne zu Boden fallen.

Sekretod         Das sind acht. Was machen Sie hier?

Jody                Ich bin Jody, Daisys Bruder. Ich bin der Anführer der geheimen Bande.

Sekretod         Warum dann Hateful Eight?

Jody                Fragen Sie nicht mich. War nicht meine Idee. Vielleicht kann Tarantino nicht zählen.

Sekretod         Perfekte Überleitung. Uns zugeschaltet aus dem aktiven Leben ist außerdem Mr. Quentin Tarantino. Er meint, er hätte irgendetwas mit Ihrem Ableben zu tun.

Gebrumme

Tarantino         Haudi

Sekretod         Also schön. Ich umreiße mal kurz, was in den letzten Stunden vor Ihrem Tod so geschehen ist, damit wir alle auf demselben Stand sind. Ich nenne meinen Bericht: Das große Abwarten. Ruth war mit der gefangenen Daisy auf dem Weg nach Red Rock, wo er sie richten und hängen lassen wollte. Auf dem Weg hat er aus Versehen Warren, Mannix und einige Leichen aufgegabelt. Mehrere Pferde mussten leider verrecken. Das ist unnötige Arbeit für mich. Mr. Tarantino. Was haben Sie gegen Pferde?

Tarantino         Es macht einfach Spaß sie abzuschlachten.

Sekretod         In Agatha Christies “Mord im Orientexpress” fragt man sich ständig, warum alle Verdächtigen auch eine Beziehung zueinander haben. Am Ende löst sich dies jedoch logisch auf. Wie ist das bei Ihrer Geschichte?

Tarantino         Das geht bei den vielen Buchstaben im Skript und den vielen Bildern auf der Leinwand unter.

Sekretod         In einem kleinen Laden im Nirgendwo treffen sich ganz zufällig acht Personen in einem Schneesturm, der später nicht mehr thematisiert wird. Alle kennen sich, haben unfassbares Detailwissen übereinander, sind miteinander verbunden und unausstehlich. Wer soll Ihnen so viele Zufälle glauben? Außer die Produzenten von Star Wars VII?

Tarantino         Bei dem ganzen Blut und der Brutalität fällt das keinem auf.

Sekretod         Verstehe. Die Geschichte begann eigentlich mit der geheimen Bande. Ihr seid eiskalte Killer und habt Minnie und alle anderen, bis auf General Sanders, niedergeschlossen. Danach hattet ihr genug Zeit, die ein oder andere Falle für Ruth vorzubereiten. Doch ihr habt euch offensichtlich entschieden, vorerst abzuwarten. Wolltet ihr ausharren, bis er sich mit Daisy schlafen legt? Jody?

Jody                Ach, wissen Sie. Die Reise und die Vorbereitungen waren ziemlich anstrengend. Dann wurde es auch noch furchtbar kalt. Wir mussten uns erst ein bisschen aufwärmen.

Sekretod         # Ruth, Daisy, Warren und Mannix erreichten den Laden. Jedes Mal, wenn die Tür geschlossen werden musste, brüllten alle, als würden sie aus einer Bananenrepublik kommen und gleich erfrieren. Mr. Tarantino, warum?

Tarantino         Das nennt man gutes Dialogwriting.

Sekretod         Warum habt ihr Ruth nicht einfach erschossen, als er euch beim Nageln über eine Minute den Rücken zugedreht und noch keinen Verdacht geschöpft hat. Ihr ward fünf gegen einen. Oder später, als er sich Kaffee holte und euch wieder den Rücken zudrehte. Warum habt ihr abgewartet? War die gewählte Vorgehensweise die beste, die euch möglich war?

Jody                Dumme Frage. Da wir alle tot sind, kann man im Nachhinein mit Fug und Recht behaupten, dass das nicht ideal verlief. Aber ich saß ja unter der Luke im Keller. Fragen Sie doch mal die anderen Genies.

Sekretod         Mr. Tarantino, was sagen Sie zu dem unnötigen Abwarten?

Tarantino         Laut Arbeitsvertrag mussten die meisten Schauspieler zuerst ganz schön viel Text runterleihern, bis ich sie erschießen lassen durfte. Kurt Russel und Samuel L. Jackson hatten besonders textlastige Verträge.

Sekretod         Verstehe. Auch wenn Mr. Tarantino die Zufälle schön redet, so wäre es wohl fast unmöglich, dass Mannix genau im richtigen Moment durch den Schnee stapft und in Ihre Kutsche einsteigt, Mr. Ruth. Auf dem Weg zu Minnie waren Sie bereits sehr skeptisch und später hegten Sie den ersten konkreteren Verdacht. Einer ist nicht der, der er vorgibt zu sein. Ist Ihnen da nie in den Sinn gekommen, dass einfach alle, die schon im Laden auf Sie gewartete haben, zu den Bösen gehören?

Ruth                Ich hatte doch noch so viel Text und Tarantino hat mir gesagt, dass ich auch abwarten muss, bis die anderen ihre Lines eingesprochen haben.

Sekretod         Mister Mobray. Später wird klar, dass sie tatsächlich um Daisy besorgt sind. Als Sie erfahren haben, dass mit Mannix der neue Scheriff von Red Rock kommt, war es da schlau, sich als der neue Richter auszugeben? Was sollte Ruth daran hindern, Daisy sofort zu verurteilen und zu hängen?

Mobray           Ähm, so habe ich das noch gar nicht gesehen.

Sekretod         Sie betonten sogar noch, dass Sie den Unterschied zur Lynchjustiz ausmachen. Man denkt sich: Doch nun, da Sie ja da sind, kann es losgehen. Und wofür war die Aufteilung des Raums in Nord und Süd?

Mobray           Ich dachte, Gage unterstützt meine grandiose Idee. Ich konnte ja nicht wissen, dass niemand auf mich hört.

Sekretod         Major Warren. Sie haben schon bei Bob Verdacht geschöpft. Sie wussten, dass Minnie keine Mexikaner mag, niemand auf Sweet Daves Sessel sitzen darf, kennen den Eintopf, wussten von der Hut-Abnahme-Pflicht, dass die beiden unmöglich verreist sein konnten und sehen eine Bohne und das fehlende Glas Süßigkeiten. Augenblick. Mr. Tarantino, unter welcher Persönlichkeitsstörung leiden Minnie und Sweet Dave eigentlich, wenn sie nach so vielen Regeln leben?

Tarantino         Von was reden Sie da eigentlich? Ich finde das ganz normal. Kennen Sie die Delfonics oder die Statler Brothers? Wo ist mein Zippo und darf ich mal an den Füßen von Daisy lecken?

Sekretod         Warren kannte eigentlich die gesamte Bande der Domergues, nur nicht, dass Daisy einen Bruder hat, in einer Bande ist und den Namen.

Tarantino         Der Major ist eben vergesslich.

Sekretod         Nochmal zu Ihnen, Warren. Warum habt ihr nicht zumindest nach den Blutflecken oder den Leichen gesucht? Dabei hättet ihr auch die Waffen gefunden. War es das wert?

Warren            Jeder macht mal Fehler.

Sekretod         Selbst als Ruth seinen Verdacht geäußert hat, haben Sie noch abgewartet. Warum?

Warren            Ist doch logisch. Ruth hat mir die Show gestohlen. Ich musste warten, bis er tot war. Dann konnte ich endlich posen.

Sekretod         Hat Ihnen die Show mit dem General nicht gereicht?

Warren            Da hab ich mich erst warm geredet. Haha. Verstehen Sie? Warm, das Gegenteil von kalt.

Sekretod         General Smithers. Sie hassen Schwarze und haben sofort klar gemacht, dass Sie kein Wort mit Warren wechseln wollen. Anschließend baten Sie ihn Platz zu nehmen und vertrauten ihm persönliche Informationen an. Warum?

Smithers          Sparen Sie sich diese dummen Fragen. Inzwischen weiß ich auch, dass das keine Glanzleistung war.

Sekretod         Mannix. Eigentlich wären Sie der einzige nette Charakter. Ruth schlägt ständig eine Frau, Warren und Smithers sind Kriegsverbrecher und die anderen sind in einer entscheidungsgehemmten Bande. Allerdings haben Sie sich ständig mit anderen verbündet und sie anschließend wieder verraten. Unter all den Hatefuls sind Sie wohl der Unsympatischste.

Mannix            Das musste ich ja machen. Oder wie klingt für Sie The Hateful Seven and the Sheriff?

Sekretod         Sie haben Warren von Anfang an gehasst und haben sich mit Smithers gegen ihn gestellt. Smithers hat Ihren Vater sogar gelobt. Am Ende wurden sie mit Warren plötzlich beste Freunde.

Mannix            Vater, Vater, Fahrradkette.

Sekretod         Sie haben zugelassen, dass Ruth andere entwaffnet. Das ist Diebstahl. Und Sie haben nichts getan. Haben Sie wirklich das Zeug zum Scheriff?

Mannix            Ich bin wie eine Prostituierte ohne Löcher. Ich versuche nur meinen Job in einer ungerechten Welt zu machen. Auch wenn es manchmal nicht klappt.

Sekretod         Mister Mobray. Ruth hat Warren kaum vertraut. Ihr ward in der Überzahl und aufeinander abgestimmt. Warum habt ihr euch entwaffnen lassen?

Mobray           Wir haben auf Jodys Befehl gewartet, doch der hat gerade im Keller an sich herumgespielt.

Sekretod         Ruth fühlte sich sicher, als er euch entwaffnet hatte. Ihr hättet jederzeit die versteckten Pistolen holen und ihn einfach liquidieren können. Euch lag offensichtlich etwas an Daisy. Selbst als ihr Ruth im Sterben ihre Schneidezähne ausgeschlagen hat, habt ihr abgewartet. Welcher Befehl hat euch da gefehlt?

Mobray           Jetzt! Oder los geht’s!

Sekretod         Nun zu Ihnen, Gage. Das mit dem Viehtrieb und Ihrer Mutter ist ja voll die geile Geschichte, aber normalerweise sind wir von Ihnen interessanteres gewohnt.

Gage               Naja, ich trinke seit einigen Jahren mal gerne einen über den Durst. Auch am Set. Und jetzt traut mir Quentin nicht mehr so viele Lines zu. Ich dachte Mobray würde mir helfen, doch der hat nur dumm rumgelacht und sich sogar widerstandslos entwaffnen lassen.

Sekretod         Sie haben gesehen, wie Ruth Daisy zugerichtet hat. War es da wirklich clever, den Kaffee zu vergiften. In seinem Todeskampf hat er sie noch ganz schön zugerichtet.

Gage               Clever ist ein verdammt starkes Wort. Wahrscheinlich hätte man auch einen leicht optimaleren Weg wählen können.

Sekretod         Also schön. Dann ist Ruth gestorben und Warrens Show begann. Sie scheinen mehr über Minnie zu wissen, als andere über ihre gesamte Verwandtschaft und sogar sich selbst. Ritten Sie unsere kleine Miederwarenladenbesitzerin hin und wieder?

Warren            Nö, gar nicht. Ich bin nur ein aufmerksamer Beobachter und Zuhörer.

Sekretod         Sie hatten gefühlt eintausend Informationen, wussten nichts von der Bodenluke und haben sich die Eier wegschießen lassen. Auf einer Skala von 1-10, wie stolz sind Sie jetzt auf sich?

Warren            Jeder macht mal Fehler. Es war viel los und ich gerade am posen. Ich konnte doch nicht ahnen, dass Daisys idiotischer Bruder die halbe Nacht im Keller wartet und erst jetzt aufwacht.

Sekretod         Sie haben mit Ihrer Hercule-Poirot-Nummer so lange gewartet, bis alle tödlich verwundet waren. War es das wert?

Warren            Natürlich nicht. Aber wann hat man schon einmal die Gelegenheit, vor harten Jungs eine halbe Stunde auf und ab zu marschieren und einen Monolog zu halten? Da habe ich nicht lange überlegt.

Sekretod         Bob, hat Sie Minnie schlecht behandelt, als Sie in ihren Laden kamen?

Bob                 Nö, überhaupt nicht. Die war voll lieb.

Sekretod         Könnte es sein, dass sich Warren den ganzen Mist, so wie den Brief, einfach ausgedacht hat?

Bob                 Genau so ist es. Der steckt nämlich mit diesem Tarantino unter einer Decke. Die ganze Rückblende war nur inszeniert.

Sekretod         Jody. Nachdem Sie die halbe Nacht im Keller verbracht haben, haben Sie sich sofort ergeben und wurden erschossen. Sind Sie mit Ihrer Leistung zufrieden?

Jody                Ich musste schon so dringend auf die Toilette, dass ich einfach nicht mehr warten konnte.

Sekretod         Dann kommen wir noch zu Daisy. War die Drohung mit den 15 Männern nicht etwas übertrieben?

Daisy               Das war nicht gelogen. Die 15 Männer warten noch heute.

Sekretod         Und dann noch das Kopfgeldangebot an Mannix. Glauben Sie, dass ein Sheriff das Kopfgeld bestimmt, dann einen Verbrecher einsperrt und es sich dann selbst auszahlt?

Daisy               Läuft das nicht so?

Sekretod         Mal im Ernst. Warum haben Sie nicht gemeinsam angegriffen, sondern sich diesen komplizierten und ziemlich hirnrissigen Plan ausgedacht, Jody?

Jody                Na schön, ich lass jetzt mal die Hosen runter. Wir haben alle nicht studiert. Während der letzten Sauferei klang das irgendwie ganz gut.

Sekretod         Obwohl Warren und Mannix schwer verletzt waren und sich schon seit langer Zeit nicht mehr bewegt hatten, konnten sie dennoch Daisy hängen. Wie, Mr. Tarantino?

Tarantino         Na wie schon? Meine Crew hat ihnen dabei geholfen.

Sekretod         Dann sind alle Tod und ich habe keine Fragen mehr. Wir nennen das die klassische Win-Win-Situation. Sie werden jetzt zu Ihren neuen Quartieren gebracht. Keine Sorge, die Chance auf einen Schneesturm liegt bei unter 0%. Sodann. Segel immer straff halten und auf zum Horizont oder ab in die Hölle.

Podcast herunterlagen

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Filme und Serien, Podcast abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Ein Kommentar zu Interview mit den Hateful Eight

  1. You ought to be a part of a contest for one of the greatest sites online. I am going to recommend this website!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.