die Musterung (MCPM 010)


Europäische Länder waren lange Zeit der Überzeugung, dass ihnen ihre männlichen Staatsbürger einige Monate bis Jahre ihres Lebens schuldeten, um sie gegen die umliegenden, feindlichen militärischen Mächte innerhalb der EU zu verteidigen. Wenn ich mir den monatlichen Steuerabzug auf meinem Gehaltszettel so ansehe, bin ich eigentlich der Meinung, dass mein Land und seine Politiker mir etwas schulden.
Irgendwann stellte sich unweigerlich die Frage, ob das bewehrte System des Pflichtsoldaten veraltet ist oder ob die Zwangsrekrutierung beibehalten werden sollte, da sie ja schon dem vegetarrrischen Arrrchitekturrrliebhaberrr mit dem getrrrimmten Schnurrrbart bei seinerrr jahrrrelangen Welterrroberrrung beinahe errrfolgreich unterrrstützt hatte.
Während in Deutschland die Wehrpflicht 2011, unverantwortlicher Weise, auf den Spannungs- oder Verteidigungsfall beschränkt wurde, durften die österreichischen Staatsbürger mit einer Sinnhaftigkeit wählen, die in einer Demokratie überaus effektiv ist. Menschen, die zum größten Teil die Heerespflicht schon hinter sich hatten oder nie zum Heer mussten, stimmten über jene ab, die es betraf.
Und an jenem Tag war immer wieder einmal ein helles Leuchten in den österreichischen Wahlkabinen zu sehen, das von dem Glanz der Augen derer ausging, die das Heer schon hinter sich hatten und nicht einsahen, warum ihre Kinder davor verschont bleiben sollten.
Ich bin Soldat HD Somebody Else und heiße euch zu meinem Mentally Challenged Prodigy Monologize herzlich willkommen. Links Schaut! Beim Militär: Heute: die Musterung
Für unsere Geschichte erinnern wir uns zurück, als die Wehrpflicht noch im gesamten deutschsprachigen Raum bestand hatte und folgen einem jungen, angehenden Soldat, wir nennen ihn gerne Bruno, dem Mitte der 90er Jahre unvermittelt ein Brief der Stellungskommission ins Haus flatterte.
Bruno packte also seine Sachen zusammen und fuhr quer durch das gesamte Land, um sich von kompetenten Beamten im Dienste des Staates untersuchen zu lassen. Nachdem er mit neun anderen Zwangsrekrutierten sein Quartier bezogen hat, wurde er freundlich gebeten, sich bis auf die Unterhose auszuziehen und durfte in Reihe und Glied Aufstellung beziehen.
Und als sich Bruno so umsah, wurde ihm schnell bewusst, dass sich die angehenden Jungmänner in zwei Gruppen geteilt hatten. Gruppe eins starrte lethargisch lachend, fast nackt in der Gegend herum, während sie sich schon auf den Alkoholkonsum am Abend freute. Gruppe zwei trug Stöße von Krankenakten durch die Gegend, die ihre Unfähigkeit beweisen sollten und im Allgemeinen ignoriert wurden.
Nach einer liebevollen Einführung in den Tagesablauf, bei der Brunos Menschlichkeit gewürdigt wurde und er nach unzähligen Wiederholungen der gleichen Befehle schnell selektive Wahrnehmung erlernte, wurde er in einer Lautstärke gebeten, in der Metallica ihre Konzerte zu geben pflegen, die einzelnen Stationen aufzusuchen.
Hochmotivierte, kompetente Neusoldaten, die den Job immerhin schon seit einigen Monaten vollrichteten, untersuchten Bruno von Kopf bis Fuß. Es folgte ein schriftlicher Test, der Brunos IQ feststellen sollte und ungefähr so verlässlich wie die Aussagen unserer Politiker war. Dann ging es ab zum Psychologen. Dort konnte Bruno in Unterwäsche auf die gefinkelten Fragen vollkommen enthemmt eingehen.
Nachdem er also erklärte, dass er als homosexueller Bettnässer die Bazooka als Waffe bevorzugen würde, da er mit seinem Nervenleiden so schlecht zielen konnte und ihn sein imaginärer Mienensuchdelfin immer ins Ohr piepst, bedankte sich der Psychologe und wünschte ihm eine steile Karriere bei der Armee.
Nach einer erholsamen Nacht, in der zehn junge, betrunkene Männer um die Wette schnarchten, durfte man zur Nachuntersuchung, bei der Ergebnisse geschönt wurden, bis man endlich das Endergebnis der Untersuchungen erfahren durfte.
Und hier wurde Bruno das erste Mal stutzig, als er bemerkte, dass heutige Wissenschaftler und Spitzensportler als untauglich empfunden wurden, jedoch psychopatische Asthmatiker mit einem IQ von Zimmertemperatur herzlich beim Militär willkommen waren.
Bruno bekam also die Rückmeldung „tauglich“, und wurde anschließend vor die freie Wahl gestellt: Bundesheer oder Zivildienst. Und hier bemerkte Bruno schnell, dass sich seine Definition des Begriffes „freie Wahl“ von der der restlichen Welt augenscheinlich zu unterschieden schien.
Natürlich kann man einem Menschen eine Waffe an die Schläfe halten, ihn höflich um sein Geld bitten und anschließend vor dem Richter behaupten, er hätte einem das Geld ja freiwillig gegeben, immerhin hätte er sich ja auch für den Tod entscheiden können.
So ähnlich ging es Bruno, als er sich seine Optionen ansah. Das 20. Jahrhundert ging bald zu Ende und der Arbeitsmarkt Richtung Marianengraben. Das österreichische Bundesheer verpflichtete die Rekruten damals für acht Monate, bot wöchentlich zwischen 60 und 169 Stunden Spaß und ein Einkommen weit unter der Mindestsicherung.
Der Zivildienst bot sogar ganze zwölf Monate Vergnügen, in denen man von schwererziehbaren Jugendlichen bedroht wurde und ein noch geringeres Einkommen bezog. Die Wartezeit für eine Stelle betrug lediglich bis zu zwei Jahre.
Dieser freien Entscheidung zu folge, in der Bruno vier Monate seines Lebens länger mit noch weniger Geld auskommen hätte müssen und als angehender Berufstätiger in dieser Zeit wohl kaum einen Job gefunden hätte, entschied er sich also freiwillig für das Militär.

Landesverteidigung und Katastrophenhilfe. Die Bundeswehr und das Bundesheer bilden im deutschsprachigen Raum hochkompetente Soldanten aus, befreien sie von lästigen Angewohnheiten wie eigenständiges Denken und einer Meinung und sichern so unsere Zukunft.
Klingt gut, ist es aber nicht. Schon bei der Musterung kamen mir erste Zweifel! Wie war eure Musterung?

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