Amoklauf – Konditionierung durch Computerspiele (MCPM 009)


Obwohl inzwischen Telefon und Internet für einen schnellen Informationsaustausch auf dieser Welt sorgen und das durchschnittliche Wissen stetig ansteigt, gibt es noch immer „Homo sapiens“, die zwar nie ein Computerspiel gespielt haben, doch behaupten Games konditionieren zum Amoklauf.
Nachdem ich die Selbstbeherrschung der Computerspieler, inzwischen immerhin über eine Milliarde Menschen, bewundert habe, die trotz regelmäßigen Spielens keinen Amok gelaufen sind, dachte ich mir:
Es gibt so viele verschiedene Arten von Computerspielen. Die können doch nicht alle nur Amokläufer konditionieren. Also habe ich mich umgesehen und unzählige Konditionierungen entdeckt. Doch hören Sie selbst:
„Sozial inkompetente Menschen suchen bei Videospielen Selbstbestätigung und friedliche Bürger werden durch die Games zu unliebsamen Amokläufern konditioniert.“ Diese und ähnliche Thesen werden schon seit längerer Zeit in zahlreichen interessant-kompetenten Medien vertreten und von Experten unterstütz, die sich – verständlicher Weise – aus Sicherheitsgründen von solch gefährlichen Spielen fernhalten.
Doch die Wahrheit ist viel erschreckender, denn jeder von uns kennt bereits computerspielkonditionierte Menschen, auch wenn er sie nicht immer als solche wahrnimmt. Ich möchte Ihnen gerne anhand einiger Beispiele die Gefährlichkeit von Computerspielkonditionierung anschaulich machen, denn bei genügend Übung reichen das Drücken von Tasten und der Blick auf den Bildschirm vollkommen aus, um komplexe Bewegungen und Denkmuster zu erlernen, diese zu verinnerlichen und emotional abzustumpfen.
Ihnen werden viele der folgenden Beispiele aus Ihrem alltäglichen Leben in Arbeit und Freizeit bekannt vorkommen und bald können Sie computerspielkonditionierte Menschen in ihrem Umfeld ohne Probleme erkennen.
Warum dies wichtig ist? In der Gesellschaft und bei Wissensgebieten machen die Computerspiele den introvertierten Gamer plötzlich zum kompetenten Experten und studierte Bürger bleiben schnell auf der Strecke.
Wer stellt beispielsweise einen studienfrischen Architekten für sein Kleinfamilienhaus ein, wenn er einen erfahrenen Bauherren bekommen kann, der schon komplette Wohnsiedlungen, Flughäfen oder Vergnügungsanlagen in RollerCoaster Tycoon designet hat oder mehrmals die ganze Welt in Civilization bevölkern musste und Raumschiffe nach Alpha Centauri schickte?
Lernen und Studieren sind out, denn nerdige Computerspieler verschaffen sich durch ihr Suchtverhalten an PC und Konsole sogar unfaire Vorteile im Arbeitsleben. Spieler von SimCity beispielsweise werden auf den Beruf des Bürgermeisters und Politikers getrimmt.
Eben dieses Spiel zeigt die Konditionierung durch das Gaming sehr deutlich. Schon im ersten Teil dieser Simulationsreihe lehrt ein gewiefter Professor dem Spieler wichtige Phrasen, die der angehende Politiker später universal verwenden kann. So beispielsweise der Anfangssatz: „Im Moment sehe ich keine größeren Probleme. Weiter so.“
Sogar im Militärbereich nehmen die Games ihren Platz ein und bilden taktisch versierte Generäle in Spielen wie Commander and Conquer aus. In machen Games lernt man das Vorantreiben des Fortschrittes und in besagtem Spiel sogar den Einsatz von futuristischen Waffen wie den eisernen Vorhang und Mamutpanzern, um die zukünftigen Generäle sogar darauf zu schulen. Wir sehen einer dunklen Zukunft entgegen.
Cheaters (Betrüger), die in Videospielen noch komplizierte Codes eingeben mussten um trotz ihrer Unfähigkeit ans Ziel zu gelangen, bekommen für das tägliche Leben den „I Win Button.“
Vorstellungsgespräch, „I Win Button“, Stress mit dem Chef, „I Win Button“, Gehaltserhöhung, „I Win Button“, Überhöhte Rente bis zum Lebensende, „I Beamter Button“, in die Hose gepinkelt, „I Win Button.“
Die Berufsauswahl in Computerspielen ist mannigfaltig. Neben zahlreichen Simulatoren, die von Landwirtschaft über Toastbrot, Ziegen und Schipistenkoordinator bis hin zum Piloten reichen, gibt es auch fragwürdige Spiele für den Beruf in der Abwesenheit des Gesetzes. Bei Spielen wie GTA und Mafia findet der junge Rabauke bald Kontakte zu dem sonst so hart zugänglichen Milieu der Schwerkriminalität.
Doch Games konditionieren nicht nur für das Arbeitsleben. Studien besagen, dass sich hässliche, ungewaschene Dauerzocker seit dem Spielen der Sims-Reihe plötzlich als sozialkompetente Partygänger erweisen.
Hier soll es jedoch vereinzelt zu Zwischenfälle gekommen sein, bei denen Partygäste plötzlich in Räumen ohne Türen gefangen waren oder sie konnten den Hausswimmingpool nicht mehr verlassen, da die dazugehörige Leiter auf mysteriöse Weise verschwunden war.
Auch die körperliche Konditionierung ist bereits im Alltag ersichtlich. Spieler von Point and Klick Adventuren sammeln unentwegt sinnlose Gegenstände auf und versuchen diese miteinander zu kombinieren. Sie werden im Volksmund als Messies bezeichnet.
Dann sind da noch die pilzsüchtigen Trapper-Klempner mit Waschbärfellmützen und italienischem Akzent. Sie suchen gerne in der Kanalisation nach Münzen, hüpfen durch japanische Gärten, pflücken mit Vorliebe Blumen und treten nach Schildkröten.
Männliche Spieler dieser Spezies leiden oft unter dem Helfersyndrom und versuchen immer wieder dieselbe Frau zu retten, die sich gleich danach wieder einem fragwürdigen Typen an den Hals wirft.
Spieler von Rollenspielen hingegen plündern alles, was ihnen unter die Finger kommt. Wehrlose Menschen oder Tiere in dunklen Gassen und vor allem in Tiefgaragen sind ein gefundenes Fressen für diese Gruppe der Spieler.
Glücklicherweise sind diese Gamer leicht zu erkennen. Sie tragen oft unzählige Taschen und Landkarten mit sich herum und gehen gerne auf Mittelalterfeste. Experten haben sogar herausgefunden, dass diese Gamer leicht durch Koch- und Schmiederezepte anlockbar sind.
Nur für die härteren Fälle werden zur Anlockung spezielle Fallen wie Truhen benötigt. Im Fachbereich wird ihre Konditionierung als das Loot-Syndrom bezeichnet.
Etwas weniger tragische Auswirkungen hat die Konditionierung bei Tetris-Spielern. Diese zeugen meist schon früh männliche Nachkommen, um mit ihnen Bauklötze nach Form und Farbe stapeln zu können.
Zocker von Singstar hingegen werden oft nicht ausreichend vom Spiel gedemütigt, weshalb sie zielstrebig extra dafür eingerichtete Organisationen wie DSDS und zahlreiche weitere aufsuchen. Man sieht also eindeutig wie Computerspiele konditionieren.
Zwar tun sich viele Menschen schon schwer, sich mit der anderen Hand ihre Zähne zu putzen, doch komplexe Bewegungen können natürlich leicht mit Hilfe von geschickten Tastenkombinationen konditioniert werden.
Ignorieren Sie die Aussage von Experten die behaupten, dass solche Bewegungen zwischen 800 und 1000 Mal wiederholt werden müssen, um sie in das neuronale System des Menschen einzuspeisen. Muskelgedächtnis ist out.
Wollen Sie beispielsweise Selbstverteidigung erlernen, so rät der Computerspielkonditionierungsexperte zu Street Fighter. Spiele wie Mortal Kombat werden hingegen eher für Länder ohne Rechtssystem empfohlen, da es immer wieder zu einem obligatorischen Fatality kommt.
Veraltete Methoden bei Militär und Bundeswehr lassen den angehenden Soldaten die Waffe noch unzählige Male auseinander und wieder zusammenbauen und zahlreiche Ziel- und Schussübungen absolvieren. Gamer lernen diese Fertigkeiten durch Spiele wie Counter Strike und Call of Duty bei Cola und Chips im Sitzen.
Man sieht also, dass der zielstrebige Amokläufer keine überflüssigen Voraussetzungen wie genetische Vorbelastung, psychische Probleme, schlimme Kindheit, schlechtes soziales Umfeld, Mobbing und Zugang zu Waffen braucht. Ein entspannter Blick auf den Bildschirm und einige Mausklicks genügen und schon wieder hat die Konditionierung zugeschlagen.
Hierbei spart sich der angehende Amokläufer sogar den lauten Krach der Waffen und die Verfolgung durch die Polizei, bis er endlich seine langjährige Computerspielausbildung umsetzen kann.
Leider gibt es unter Gamern noch immer Skeptiker, die nicht an die Konditionierung durch Computerspiele glauben. Doch seien Sie beruhigt liebe Bürger der Fernsehgeneration, denn bald werde ich den unwiderlegbaren Beweis erbringen, dass Computerspiele sehr wohl konditionieren.
Ich, Head Doctor Somebody Else habe bereits meine Bewerbung als zukünftiger Trainer der Liechtensteiner-Fußball-Nationalmannschaft abgeschickt. Sobald ich meinen neuen Job inne habe, was nur eine Frage der Zeit sein kann, werde ich mir dreißig Jugendliche schnappen und sie rund um die Uhr Fifa und Pro Evolution Soccer spielen lassen.
Dadurch können die angehenden Profispieler in aller Ruhe Ballgefühl und Kondition aufbauen und sobald dann Lichtenstein Fußballweltmeister wird, kann niemand mehr verleugnen, dass Computerspiele konditionieren.
Mir bleibt nur noch eines zu sagen: Geben Sie nicht zu viel auf die Wissenschaft und logisches Denken. Die Sonne dreht sich noch immer um die Erde und Computerspiele konditionieren – zumindest die Menschen, die das glauben.

Leider sind wir mit diesem Thema noch nicht ganz durch. Trotz massivem Informationsaustausch und acht Milliarden Menschen unter denen sich genug helle Köpfe befinden, werden die Vorurteile und die Hetze gegen Videospiele noch immer verbreitet.
In welchen Bereichen glaubt ihr, können Videospiele tatsächlich konditionieren?

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