Militärresümee nach zwei Wochen (MCPM 056)

Nach dem Erste-Hilfe-Kurs durften Bruno und die neuen Soldaten ein wenig über den Exerzierplatz bis hin zum nächsten Klassenraum robben, in dem sie ein Unteroffizier mit famosem Sonderschulabschluss – Entschuldigung – Kreativlernförderung über ihre Rechte aufklärte.
Die jungen Soldaten müssten nur jene Befehle befolgen, die von ihren direkten Vorgesetzten erteilt werden. Weiters könnten sie sogar Befehl verweigern, wenn diese gegen Menschenrechte verstoßen würden, welche sicherlich in irgendein bekanntes Buch gedruckt wurden.
Allerdings wies der intelligenzkreative Unteroffizier dezent auf die Folgen einer Befehlsverweigerung hin. „Eine Befehlsverweigerung wird von einer Kommission überprüft, bei der Zeugen geladen sind, die anschließend vom beklagten Vorgesetzten weiter schikaniert werden können.
Es kam jedoch tatsächlich schon einmal vor, dass einem angehenden Soldaten Recht gegeben wurde, nachdem er mit seiner Zahnbürste die Toiletten umdekorieren musste. Die Kommission kam zu dem Entschluss, dass der junge Mann in seiner Kaserne nicht mehr fair behandelt werden würde, weshalb man ihn aus Sicherheitsgründen an das andere Ende des Landes versetzt hat.
Ihr könnt euch sicherlich vorstellen, wie herzlich das atmende Stück Fleisch dort empfangen und anschließend streng nach den Regeln des Rechtsbuches geformt wurde. Leider musste er ausgerechnet jeden Freitag bis spät abends arbeiten und schon am Sonntag wieder in der Kaserne sein. Dafür hatte er am Samstag frei.
Freilich reichte die Zeit nicht, um nach Hause zu fahren und seine Eltern zu besuchen, dafür freute er sich nach sieben Monaten umso mehr. Eine Befehlsverweigerung sollte also reichlich überlegt sein.“ Bruno hätte es eher gewundert, wenn man beim Militär irgendwelche verwirklichbaren Rechte gehabt hätte.
Anschließend wurden die jungen Soldaten einander vorgestellt, wobei sich herausstellte, dass ein Mann Anfang Dreißig aus einem östlichen Kriegsgebiet kam, in diesem aufgewachsen war, dort zum Militär ging, bald Kampfeinsätze leitete, nun die Staatsbürgerschaft brauchte und endlich von einem richtigen Heer ausgebildet werden konnte. Dann wurde wieder gerobbt.
So vergingen zwei Wochen ohne Schlaf und Weiterbildung, bis Bruno endlich die Kaserne verlassen durfte. Als er sich gerade noch zurückhalten konnte, nach all den nackten Männerhintern in der Dusche, das erste 13-jährige Mädchen zu bespringen, das er erblickte, entschied er sich für die nächste Bar und ein erstes Resümee.
Bruno wollte die Kellnerin nach Papier und Bleistift fragen, stammelte irgendetwas von Brüsten und ihrer Handynummer, schämte sich, holte noch einmal neu aus, erklärte der jungen Dame welche Vorzüge ihr Ausschnitt hatte, konzentrierte sich und schaffte es, die Frage militärisch korrekt zu formulieren: „Ich brauchen Stift und Papier.“
Die geduldige Dame, die schon lange neben der Kaserne kellnerte, war überrascht, brachte Bruno jedoch wonach er verlangte und sah zu, wie ihr einziger Gast überlegte, wie man diese verdammten Dinger verwendete.
Schließlich schaffte es Bruno Papier und Stift in die Hand zu nehmen, denn er wollte einen Brief an Steven Hawking verfassen. Er wollte ihn einladen, in sein Land zu kommen, um an der Erforschung „Militär“ teilzunehmen.
Bruno war sich ziemlich sicher, dass Steven Hawking, wenn er sich dumm stelle, nach der Musterung als tauglich empfunden werden würde und dann könnte dieser höchst persönlich ein schwarzes Loch des Wissens auf der Erde untersuchen.
Theorien mussten aufgestellt werden. Waren die Soldaten des hiesigen Militärs so intelligent, dass sie das ganze Wissen in und um die Kaserne verschlangen? Gab es geheime Apparaturen, die das Denken in der Kaserne verhinderten, um die Fähigkeiten der Soldaten in Extremsituationen zu schulen?
Lag es vielleicht an dem Beruf Soldat selbst, dass sich so viele geisteskreative Gehirnakrobaten auf so kleinem Raum zusammenfanden und ein schwarzes Loch des Wissens erschufen? Bruno war klar, dass er ohne Hawkin und Freud nicht weiterkommen würde.
Doch als er seinen Brief begann bemerkte er, dass er die Fähigkeit zu schreiben verloren hatte. Wie kann das sein? Ein Erklärungsversuch in Form eines Berichtes über die schriftliche Ankündigung eines Kampftages:
Bruno wurde von seinem Vorgesetzten GEBETEN, eine schriftliche Kundmachung des bevorstehenden Kampftages zu tippen. Bruno setzte sich also an die Schreibmaschine und verfasste einen schriftlichen Befehl für den Kampftag.
Dieser wurde umgehend vom zuständigen Vizeleutnant kreativ ausgebessert. Bruno zückte den Duden, woraufhin ihn der Vizeleutnant mit allem RESPEKT auf seinen Rang hinwies und erklärte: „Auch der Duden kann nicht alles wissen und in dem Wort gehen befindet sich sicherlich kein H.“
Nachdem der schriftliche Befehl, der jedem Schüler eine Wiederholung des Kindergartens eingebracht hätte, anstandslos von den Offizieren akzeptiert wurde, stand der Termin fest und die Ausbilder bereiteten sich darauf vor, die jungen Männer zu unterrichten und auf den Kampf vorzubereiten.
Und an dieser Stelle muss ich ein bis zwei Worte über die Ausbilder verlieren. Sicherlich hat das hiesige Militär nur kompetente, hoch qualifizierte und geschulte Ausbilder, die jedoch augenscheinlich gerade auf Urlaub waren.
Der Unteroffizier, der den gemeinen Rekruten unterrichtet und ihm bei seiner Entwicklung am Lebensweg helfen sollte, hat am freien Arbeitsplatz ungefähr gleich gute Aussichten wie Steve Wonder beim Sehtest.
Und wenn ein Mensch erkennt, dass er in seinem Leben nie etwas Besonderes werden kann, dann bietet ihm der Staat eine hervorragende Gelegenheit. Er darf Maturanten, angehende Studenten, Doktoren und alles, was einmal wichtiger werden wird als er, Monate lang je nach Lust und Laune körperlich und psychisch schikanieren, während ihm der Staat diese Macht verleiht.
Und auf Kosten der Traumata von vielen, haben auch die weniger begünstigten Wesen im Land ein Lebensziel. Im nächsten Teil erfahrt ihr von Brunos erstem Kampftag. Welche Erfahrungen habt ihr mit der Intelligenz eurer Vorgesetzten gemacht?

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