James Bond – Leben und Sterben lassen (Die Geschichte von)

Mit Roger Moore erfuhr 007 1973 einen Neustart, der die Rolle etwas humoristischer anlegte. Müsste man den Film zusammenfassen, wäre das ziemlich einfach. Der Oberschurke Kananga hatte keine Lust, sich eine spannende Bedrohung für die Welt auszudenken. Man wundert sich, warum Bond für den Plot überhaupt von der italienischen Agentin vom Anfang absitzt und nicht weiter die Kiste rappeln lässt. Dafür tötet Kananga zahlreiche britische und amerikanische Agenten, während er Bond immer wieder verschont. Der gesamte Film ist eine Aneinanderreihung von scheinbaren Mordversuchen, bei denen sogar Lemminge eine valide Überlebenschance hätten.
Zur Geschichte: Drei britische Agenten werden in New York, New Orleans und der Karibik von Schwarzen ermordet. Hier würde es tatsächlich Sinn machen, dass sich die Briten einmischen, wenn die Agenten auch nur irgendeinen sinnvollen Grund hätten, dort tätig zu sein. Einer davon wurde sogar an die USA ausgeliehen. Logisch. Als würden diese Patrioten zulassen, dass ein fremder Agent in ihrem Namen ihre Aufträge erledigt. Dieser Teil beweist ein für alle Mal, dass die Amis im Bonduniversum die Briten die gesamte Arbeit machen lassen und selbst nur zusehen.
Alle drei Agenten observieren irgendwie abwechselnd Kananga, den Premier einer fiktiven karibischen Insel. Ein Agent nimmt sogar bei einem Treffen selbst als Premier teil. Tolles Inkognito. Wie genau soll ich mir das jetzt wieder vorstellen? Entweder hat man den Agenten mal kurz zum britischen Premier gewählt oder man glaubt, dass Kananga ein Vollhorst ist. Er ist gegen den Einfluss der US-Industrie auf die Karibik. Warum werden dafür drei Agenten eingesetzt und warum werden dafür drei BRITISCHE Agenten eingesetzt? Die Briten würden sich doch mehr für ein umgefallenes Fahrrad in China interessieren, als für den Einfluss der US-Industrie in der Karibik. Vielleicht hat den Schreibern niemand gesagt, dass die USA im 20. Jahrhundert bereits keine Kolonie mehr von den Briten war.
Kananga hat Dr. Quinn – Ärztin aus Leidenschaft als Wahrsagerin, die im Film jedoch Solitär genannt wird und tatsächlich in die Zukunft sehen kann. So eine Hellseherin mag dem ein oder anderen unrealistisch vorkommen, doch da 007 dennoch jedem Mordversuch entkommt, gleicht sich das wohl irgendwie aus.

Bond soll nun den Mord der drei Agenten aufklären und fliegt nach New York zum Treffen der Premiers. Inzwischen observiert Felix Leiter Kananga höchst persönlich. Wow. Das sind ganz schön viele Agenten für jemanden, der gerade einmal Bedenken wegen dem Einfluss der US-Industrie hat.
Schon auf dem Weg vom Flughafen zu Felix greift ein Scherge von Kananga an, tötetet den Fahrer von Bond und hofft, dass James im anschließenden Verkehrsunfall sterben wird. Klingt sicherer, als direkt auf ihn zu schießen. Kananga weiß, dass er beobachtet wird und stiehlt sich davon, doch Bond verfolgt den Assassinen. Er trifft auf Mr. Big, der ganz Harlem und New Orleans zu kontrollieren scheint und mit Kananga zusammenarbeitet. Bond wird sofort von jedem Schwarzen in New York an Mr. Big gemeldet und schließlich gefangengenommen. Kananga weiß durch Solitaire, dass Bond kommt und sehr gefährlich ist. Die anderen drei Agenten haben nur beobachtet, doch er hat sie augenblicklich getötet. Bond kann nun frei herumschlendern, Solitaire anbaggern und soll letztendlich nur von zwei Vollpfosten verprügelt werden. Natürlich entkommt er.
Kananga fliegt in die Karibik zurück, wo sich Bond mit der inkompetenten CIA-Agentin Rosi treffen soll. Ein Mordversuch in der Badewanne mit Hilfe einer Schlange schlägt fehl. Ich bin ja für eine Kugel in den Kopf, doch hier wäre ja sogar ein Toaster effektiver gewesen. Obwohl das Hotelzimmer verwanzt ist und gerade ein Mordversuch stattgefunden hat, schläft Bond in aller Ruhe mit Rosi. Die Schurken in diesem Universum versuchen es niemals zwei Mal am selben Ort. Felix hat Rosi bereit instruiert, dass ein Koitus bei Bond zur Arbeit dazugehört, was sie zu einer Prosituierten macht. CIA Agentinnen in den 70ern eben.
Quarrel aus Dr. No hilft Bond als wiederkehrender Charakter. James weiß nun, dass Rosi ihn an Kananga verraten hat, doch anstatt 007 zu töten, tötet dieser die CIA Agentin. Selbst wenn Bond wollen würde, werden immer nur die Agenten um ihn herum getötet. Natürlich ist es für Kananga viel besser, die übergelaufene Agentin und somit seine Mitarbeiterin zu töten, anstatt seinen Feind Bond. Dieser lockt nun Solitaire in eine Falle und nimmt ihr damit die Fähigkeit der Hellsicht. Kluger Schachzug. James schläft natürlich nur mit ihr, um an Informationen zu kommen. Kananga baut Rauschgift an. Krass. Der darauffolgende Mordversuch von einem Helikopter aus kann eigentlich unmöglich daneben gehen, da das Maschinengewehr genau bei Bond einschlägt. Darauf folgen Mordversuche, auf die wieder Mordversuche folgen, wobei der VERSUCH bei allen Beteiligten großgeschrieben wird. Die Actionszenen sind einfach wichtiger.
Die Protagonisten einigen sich darauf, dass das hier keinen Sinn mehr macht und fliegen nach New Orleans. Bond bemerkt nicht, dass er denselben Taxifahrer wie in New York hat und wird schon wieder gefangengenommen. Anstatt James zu erschießen, wollen sie ihn aus einem Flugzeug werfen. Bond hat keine Lust und zerstört den halben Flughafen, damit man das Budget rechtfertigen kann. Felix hat nun die ehrenvolle Aufgabe, den Flughafenchef zu beruhigen. Ist der eigentlich Agent oder eher eine Tippse der CIA? Wieder wird ein Agent getötet, der nicht Bond ist, während James verschont wird.
Endlich erfahren wir, um was es geht. Jetzt haltet euch fest. Kananga ist Mr. Big. Der Schauspieler scheint bei dieser Rolle schizophren geworden zu sein, da er den Charakter immer anders spielt. Er möchte die Drogen aus der Karibik in den USA verschenken. So vertreibt er seine Konkurrenz und erzeugt süchtige Kunden.
Hierzu einige Fragen:

  • Warum hat Kananga so viel Rauschgift, dass er alle anderen Drogendealer aus dem Geschäft treiben kann?
  • Wie genau finanziert Kananga zwei Tonnen zu verschenken? Er kommt von einer fiktiven, kleinen Insel aus der Karibik.
  • Wie schafft er es, als Premier eine Insel zu leiten und gleichzeitig als Mr. Big New York und New Orleans zu kontrollieren.
  • Wie viele Flugmeilen hat er schon gesammelt?
  • Hat noch niemand einen konkreteren Verdacht geschöpft, dass ein Premier gleichzeitig ein Drogenbaron ist oder hat die CIA Bond einfach noch nicht Bescheid gesagt. Wahrscheinlich, denn warum sollten sich die Briten um einen Drogenkrieg in den USA kümmern?
  • Und wie genau kommt Mr. Big auf die Idee, dass ihn seine Konkurrenz nicht einfach abmurksen würde? Vielleicht sind sie kompetenter als er bei Bond.

An dieser Stelle sind mir die Finger an beiden Händen ausgegangen und ich habe aufgehört, die unnötigen Mordversuche zu zählen. Bond läuft über Krokodile und fährt mit Booten. Hier folgt der beste Joke der Bondfilme. Die gesamte Zeit wird Felix als führender Agent der CIA von Kananga und der Handlung vollkommen ignoriert.
Da nun alle von Mr. Big wissen, ist der Plan gescheitert und sie fliegen wieder in die Karibik zurück. Bond kommt in eine skurrile Szenerie, rettet Solitaire, entgeht einem hanebüchenen letzten Mordversuch und tötet Kananga, indem er ihn zu einem Ballon aufbläst. Das macht Spaß. Ganz am Ende kommt noch einmal der Handlanger in unnachvollziehbarer Loyalität und wird aus dem Zug geworfen. Dann hat er wohl keine Lust mehr und fragt sich, wer ihn eigentlich für den Mord an Bond nun noch bezahlen würde.

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Ein Kommentar zu James Bond – Leben und Sterben lassen (Die Geschichte von)

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