Kinderstars und die Hölle danach (MCPM 018)


Erwachsene, deren Träume schon längst verblasst sind, zeugen gerne Kinder ohne jeglichen Hintergedanken. Mehr aus Zufall schmieden sie dann die kleinen Racker nach den Idealvorstellungen ihrer Eltern und hasten von Wettstreiten über Aufführungen hin zu Castingshow.
Natürlich wacht der Staat mit Sorge über diese Kinder und erlässt zahlreiche Auflagen, also Auflägchen, kann jedoch dem unstillbaren Durst der Kinder nach Ruhm nicht entgegenwirken. Und sobald die Masse den jungen Stars dann zujubelt, ist ihre Kindheit abgeschlossen.
Schulpsychologen sind der Meinung, dass Kinder unterschiedliche Phasen in ihrer Entwicklung durchlaufen sollten. Sie wollen schlafen, spielen, sich mit anderen Kindern austauschen und messen und ihre Kindheit genießen. Pustekuchen.
Natürlich wollen Eltern für ihre Kinder nur das Beste und dabei spielen weder ihre eigenen Träume noch das zukünftige Geld eine Rolle. Eltern lassen die kleinen Rabauken nur dann gewähren, wenn diese unbedingt wollen.
Kinder von heute wollen aus eigenem Antrieb täglich mehrere Stunden Gesangsübungen absolvieren, Musikinstrumente üben, in Fitnesscentern trainieren, sich von Meerrettich ernähren und auf heißen Herdplatten tanzen.
Solche Spielereien werden den Kindern sicherlich nicht von den Eltern aufgezwungen. Niemals. Nur früher wollten die Kinder noch Baggerfahrer, Feuermann und Prinzessin werden. Heute ist alles anders.
Heute träumen die disziplinierten Babys, zum Unverständnis ihrer Eltern, von Laufstegen, Büchern auf ihren Köpfen, Tanzchoreographien und Joggingpfaden. Kinder sind eben die wahren Perfektionisten und der Erfolg ist fast garantiert.
Die frischgebackenen Stars verdienen schon bald im Jahr mehr als „ehrliche“ Arbeiter in ihrem ganzen Leben, tätigen mit ihren Handys Börsengeschäfte, verhandeln mit Managern und feuern Backgroundtänzerinnen, die zu dick geworden sind.
Natürlich muss das hart verdiente Geld auch verwaltet werden, wofür sich die Eltern, meist nur nach mehrfacher Aufforderung der Kinder, widerwillig bereit erklären. Zumindest können die kleinen Quälgeister so die aufopfernden Jahre der Erziehung zurückzahlen.
Um sich der unangenehmen Geldverwaltung zu stellen, müssen sich die Erziehungsberechtigten, verständlicher Weise, zumindest einige Pelzmäntel, Uhren, Autos, Wohnungen und Häuser kaufen.
Die Jugend muss so lange als irgend möglich hinausgezögert werden und bald betteln die Kinder um Botoxbehandlungen und Brustvergrößerungen um nachzubessern und am Zahn der Zeit zu bleiben. Am Ende brauchen sie nur noch einen Psychologen, denn ohne anerkanntes Trauma ist man auch kein richtiger Star.
Die Eltern nehmen die Danksagungen ihrer Kinder für das Geleistete demütig entgegen, erkennen, dass das mit der Erziehung wohl nie enden wird und mimen die „Bösen“, damit das Kind weiter in den Medien bleibt.
Sie sind skeptisch? Also bitte. Wäre dies nicht der richtige Weg, dann würden Politiker und Organisationen dieser Welt mit Sicherheit dagegen vorgehen. Ist ja nicht so, dass die daran verdienen. Auf die Politik kann man sich verlassen. Kinderarbeit ist eben Inn und stellt die typische Win-Win Situation dar. Naja, nicht für die Kinder.
Unsere Kinderstars werden schließlich volljährig und müssen ihre Weichen neu stellen. Eine glanzvolle Zukunft wartet auf sie. Nur die besonders untalentierten von ihnen können ihre Karriere nicht über die Zeit retten, doch das macht nichts.
Welcher Erwachsene sehnt sich bitte nach alle dem Ruhm, dem Rampenlicht und dem Vermögen, wenn er dies alles schon in der Kindheit hatte? Endlich einmal richtig arbeiten und in der Gosse leben.
Die erfolgreichen Kinderstars müssen sich nun lediglich mit dem einzigen Problem beschäftigen, dass sie schon alles haben, was Menschen haben können. Ok: Außer ausgereifte Emotionen und eine schöne Kindheit. Wäre großartig, wenn das meine einzigen Probleme wären. (Wäre es nicht. Ganz und gar nicht!)
Die Stars müssen sich nun nur noch einige utopische Ziele setzen und schon kann der Rest ihres Lebens beginnen, in dem sie verzweifelt versuchen, ihre Kindheit nachzuholen. Und wenn es nicht funktioniert, dann gibt es zum Glück ja noch Drogen.
Dass das System funktioniert, sehen wir an Stars wie Britney Spears, Lindsay Lohan, Amanda Bynes, Miley Cyrus alias Hannah Montana, Macaulay Culkin alias Kevin allein zu Haus, Jake Lloyd alias Anakin Skywalker, Haley Joel Osment (jetzt sieht er immer einen toten Menschen, wenn er in den Spiegel schaut), Angus T. Jones alias Jakob Harper und Edward Furlong alias John Conner.

Und gerade Michael Jackson ist der „lebende“ Beweis, dass sich die Folter in der Kindheit ausgezahlt hat.
Was glaubt ihr, wie sich der Ruhm auf die Entwicklung eines Kindes auswirkt?

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